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“UNTERGRUND” VON JAN PAUL BACHMANN IST IN DER POSTPRODUCTION

8 September 2009 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Wo fange ich an? Der beste Film bei dem ich je mitgespielt habe? Im gleichen Atemzug müsste ich Christoph Hochhäuslers “Falschen Bekenner” nennen und darauf hinweisen dass ich bei Hochhäusler “nur” eine Nebenrolle gespielt habe. Dennoch bin ich auch heute noch stolz, wenigstens ein kleiner Teil des “Falschen Bekenners” gewesen zu sein.

Bei “Untergrund” ist der kleine nun ein großer Teil geworden und so habe ich zum ersten Mal die “MÖGLICHKEIT VON FILM” erlebt. Unter der Regie von Jan Paul Bachmann habe ich eine Arbeit genossen, die ich bisher nur auf dem Theater für möglich gehalten hatte.

Jan Paul Bachmann fragte mich einige Wochen vor Drehbeginn für die Hauptrolle des Simon an. Ich erhielt ein sehr ausführliches Exposé von “Untergrund” und dachte nach dem erstmaligen Lesen es handele sich um einen Langfilm. Ich war begeistert und las das Exposé wieder und wieder und telefonierte bald mit Jan Paul Bachmann. Am Telefon erlebte ich einen sehr leidenschaftlichen und zugleich konkreten jungen Regisseur der meine Fragen auf Anhieb zu beantworten wusste, ohne Floskeln zu Hilfe nehmen zu müssen.

Drei Tage später kam Paul (ich kürze ab sofort Jan Paul Bachmann ab, denn eigentlich bin ich ein fauler Zeitgenosse) von Köln nach Berlin gereist und saß in meinem Wohnzimmer am Kottbusser Damm. Mehr als sieben Stunden sprachen wir über die Geschichte von Simon, diesem jungen Mann aus Pauls Phantasie, der seinem Bruder in die große Stadt gefolgt war, um endlich Anerkennung zu erhalten, endlich ernst genommen, endlich gesehen zu werden.

Simon arbeitet als Sicherheitsmitarbeiter eines Verkehrsunternehmens. Er begibt sich in die ewige Nacht des öffentlichen Nahverkehrs, erinnert die Menschen an Regeln, z.B. daran, dass man eine Zeitung nicht auf dem Sitz liegen lassen darf.  Erklärt man Simon, dass diese Zeitung noch vom nächsten Fahrgast gelesen werden kann, reagiert er mit dem Androhen von Bußgeld. In Systemen zählen nur Regeln, niemals Verstand oder Moral.

Simon findet als Vollzieher des Systems eine Möglichkeit für sein eigenes Leben, zumindest solange er arbeitet. Zu Hause, in seinem – immer noch – Jugendzimmer steht er stundenlang alleine vor dem Fenster und raucht.  Morgens begegnet er dann häufig schönen Mädchen in der Küche, die sein Bruder – ein souveräner Barman – nach Hause bringt. Simon starrt dann nur in seine Kaffeetasse und versagt im Kontakt. Erst in der ewigen Nacht fühlt er sich stark genug zu kommunizieren. So weist er eine Gruppe junger Mädchen an, ihre Musik leiser zu stellen um, die anderen Fahrgäste nicht zu stören, doch die Reaktion der Mädchen gerät anders als erwartet.

“Untergrund” hinterfragt Sinn und Zweck von Systemen und deren Reaktion auf Unregelmäßigkeiten. Was passiert, wenn sich ein System sicher fühlt und plötzlich von einem schwächeren Gegner besiegt wird? Hinterfragt es das eigene Verhalten oder rüstet es sich auf, um mit noch heftigerer Wucht zurückzuschlagen und so die Verhältnisse wieder zu ordnen?

Der Film stellt mit einer kleinen Geschichte große Fragen zu unserer Zeit. Ich bin glücklich und stolz, Teil dieses wichtigen Films zu sein und dankbar gelernt zu haben, dass Film die Möglichkeit hat, relevant und tief zu sein. Ich danke allen Beteiligten von ganzem Herzen für diese besondere Arbeit und wünsche mir, dass wir ein großes Publikum erreichen werden.

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